Ungebremste Immobiliennachfrage in Hamburg?

Interview mit Thomas Steffens, Geschäftsführer Immobilienmarkt Hanse GmbH – Immobilientochter der Hamburger Volksbank über die steigende Nachfrage nach Wohnraum und energetische Sanierung im Bestandswohnungsbau.

Wer kann sich die hohen Kaufpreise in Hamburg eigentlich noch leisten?

Thomas Steffens: Hamburg ist und bleibt eine Stadt, die nicht nur bei Touristen sehr beliebt ist sondern auch bei Arbeitnehmern, Studenten und Rückkehrern. Die hohe Nachfrage sorgt für einen Bedarf nach geeigneten Immobilien zur Miete als auch zum Kauf.

Und solange die Konjunktur gut läuft, wird auch jeder Preis bezahlt?

Die gute Konjunktur sorgt für gesicherte Arbeitsplätze und gute Einkommen, die Inflationsrate ist niedrig, d.h. der private Konsum ist bezahlbar – also was tun mit seinem Geld, wenn man dafür kaum Zinsen bekommt? Immobilien in gesuchten Standorten kaufen!

Mieter und Käufer sind immer häufiger Konkurrenten am Immobilienmarkt. Wie erleben Sie das?

Der Eigennutzer sucht eine Immobilie für sich und Familie. Er hat jedoch einen neuen ihm unbekannten Konkurrenten, der die Immobilie auch erwerben möchte – den Kapitalanleger, der diese Immobilie vermieten möchte und sich in Hamburg eigentlich überall auch sicher sein kann, auf Grund der hohen Nachfrage schnell einen Mieter zu finden.

Die Nachfrage wird so immer weiter angeheizt?

So lange die Zinsen für Geldanlagen so niedrig bleiben… Die Medien sprechen ja inzwischen sogar vom „Trend zur Zweitimmobilie…“, wobei die Betonung auf Trend liegt, d.h. nicht die absolute Ausnahme wird hier beschrieben.

Was steuert ansonsten die Nachfrage?

Die Neu-Hamburger suchen häufig andere Wohnungsgrößen mit Zimmeranzahlen als im Wohnungsbestand älterer Immobilien in den Stadtteilen vorhanden sind. Viele sind 1- oder 2-Personen-Haushalte, die nicht die 4-Zimmer-Wohnung suchen und auf Grund ihres anderen Freizeitverhaltens auch nicht mehr Größen von 80-100 m² sondern eher um die 50-60 m² suchen.

Was bedeutet das für die Zukunft des Immobilien-Wohnungsbestandes?

Es könnten zukünftig trotz Wohnungsbedarfs auch viele Wohnungen im Bestand viel schneller vom Markt genommen werden – d.h. die Grundstücke werden dann neu bebaut.

Erschienen in: BAUEN + WOHNEN, September 2015
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