„Riesenchance für Immobilienkäufer“

Interview mit Thomas Steffens, Geschäftsführer Immobilienmarkt Hanse GmbH – Immobilientochter der Hamburger Volksbank

In den letzten Wochen gab es Berichte über stagnierende Mieten in Hamburg. Wie beurteilen Sie das?

Thomas Steffens: Derzeit haben wir eine stagnierende Entwicklung, die m.E. auch etwas mit der Erwartungshaltung der Mietinteressenten zur Umsetzung der Mietpreisbremse zu tun hat. Wer nicht unbedingt umziehen muss, kann abwarten.

Die Vermieter reagieren mit niedrigeren Mieten?

Nicht jeder Vermieter wird mit einer günstigeren Miete reagieren, ein Leerstand ist jedoch auch nicht sinnvoll. Die Umsetzung der Mietpreisbremse wird noch dauern, mal sehen, wie das Angebot zukünftig reagieren wird.

Die Zinsen für Baufinanzierungen sind weiterhin historisch niedrig, wird sich hier etwas ändern?

Das glaube ich eher nicht, die Immobilienkäufer haben derzeit eine Riesenchance. Andererseits gibt es aber auch ein erhebliches Risikopotenzial.

Niedrige Zinsen sind ein Risiko?

Nein, nicht die Zinsen, sondern der Wunsch nach einer extrem niedrigen Gesamtrate. D.h. der Tilgungssatz ist meistens zu niedrig vereinbart,
bei diesem Zinsniveau ist ein Tilgungssatz von 1% einfach die falsche Entscheidung.

1% sind aber doch üblich – oder?

Mit diesem Tilgungssatz reduziert sich das Darlehnsvolumen nur sehr gering und am Ende der Zinsbindung verbleiben viel zu hohe Verbindlichkeiten, um vor Rentenbeginn schuldenfrei sein zu können oder sich eine Anschlussfinanzierung bei einem höheren Zinssatz leisten zu können.

Im Umland sind die Preise günstig. Sollte man eher dort als in Hamburg kaufen?

Auch das lässt sich pauschal so nicht beantworten: Die niedrigen Umlandkaufpreise sind für Berufspendler jedenfalls meistens Blendwerk, da die Fahrzeiten und -kosten unberücksichtigt sind.

Erschienen in: WOHNEN HEUTE, Mai 2015
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